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Alle Jahre wieder ist die “Internationale Grüne Woche” (IGW) in Berlin ein Publikumsmagnet. Hier präsentieren sich in erster Linie die Agrar- und die Lebensmittelindustrie. Die Federführung haben Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e.V. (BVE), Deutscher Bauernverband e.V. (DBV) und das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Unter dieser Dirigentschaft beteiligen sich auch bäuerliche Betriebe sowie mittelständische Firmen.
Hauptanliegen sind die Absatzförderung und besonders die Imagepflege einer Branche, die von einem Skandal in den nächsten stolpert ... oft, weil die staatlichen Lebensmit- telkontrolleure kläglich versagen. Die Ursachen hierfür sind einfach zu erklären: Viele kommen aus demselben “Nest” (von landwirtschaftlichen Betrieben) oder lassen sich von den zu kontrollierenden Großunternehmen unter Druck setzen. So lernen sie rasch, daß ihr Gehalt auch weiterhin jeden Monat auf dem Girokonto steht, auch wenn sie nach dem bekannten Affen-Motto “nichts hören - nichts sehen - nichts sagen” handeln. Hinzu kommt aber auch, daß konsequente Kontrolleure von den durch die Agrarindustriellen an- gerufenen Verwaltungsgerichten nicht selten zurückgepfiffen werden (z. B. beim Nudel- skandal in Baden-Württemberg in den achtziger Jahren)! So seufze auf der IGW 2006 ein Veterinär auf meine Frage, was er denn bei Überbe- legung einer Mastschweinebucht mache: “Wenn ich was sage, dann beschwert sich der Bauer bei meinem Vorgesetzten, klagt, daß er nicht wisse, wohin mit den Schweinen, er könne deswegen doch nicht gleich anbauen. nachdem ich mehrfach so zurückgepfiffen wurde, halte ich eben meinen Mund ... und glauben Sie mir, ein Hoftierarzt hat es da noch schwerer. Wenn der was sagt, sucht sich der Bauer einen neuen. So einfach ist das!” Wer wundert sich da immer noch, daß so mancher beamtete Lebensmittelkonkrolleur lieber “Beamtenmikado” (= Wer sich bewegt, der hat verloren!) spielt? Da ich das Problem schon lange kenne, forderte ich noch zu meiner Zeit im Vorstand des “Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung” e.V. ein Rotationssystem für Amtsveterinäre und die verpflichtende Teilnahme an einer Supervision, um sie psycho- logisch zu schulen und fit zu machen gegen Erpressungsversuche der Kontrollierten. Da offenbar nichts an den üblen Zuständen geändert werden sollte, tat sich in sofern nichts. Immerhin wurden im Januar 2006 in Bayern im Zusammenhang mit dem Wild- fleisch-Skandal mehrere Amtsveterinäre vom Dienst suspendiert! Fragt sich nur für wie lange.
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Eckard Wendt
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